Das 4 Grad Kelvin-Kriterium oder Wann sind Innenbauteile einzugeben?

Frage:

Wann sind Innenwände (Wände zwischen zwei Zonen) für einen öffentlich-rechtlichen Nachweis einzugeben?
 

Hintergrund:

In der Normenreihe DIN V 18599:2011-12 wird das Prinzip der energetischen Bilanzierung von der Nutz-, über die End- bis zur Primärenergie beschrieben.
Die energetische Bilanzierung des Endenergiebedarfs ergibt sich aus dem Nutzenergiebedarf des Gebäudes und den technischen Verlusten für die Übergabe, Verteilung und Speicherung sowie den Verlusten der Energieerzeugung für die einzelnen Konditionierungsarten.

In der DIN V 18599-2 wird der benötigte Nutzwärmebedarf (Heizwärmebedarf) und ggf. der Nutzkältebedarf (Kühlbedarf) auf Grundlage der Zonierung bilanziert. Die Nutzenergie für den Heizwärme- und Kühlbedarf einer Gebäudezone ist demnach der Energiebedarf, der zur Aufrechterhaltung der vorgegebenen Innentemperatur in der Gebäudezone benötigt und mittels der Anlagentechnik erzeugt wird.
Um den Heizwärme- und den Kühlbedarf einer Gebäudezone zu berechnen, sind alle äußeren und inneren Wärme- und Kälteeinträge zu bilanzieren. Die Bilanzgrenzen werden durch die Bauteile der wärmeübertragenden Umfassungsfläche der Gebäudezone gebildet. Dabei werden die auftretenden Wärmequellen / -senken innerhalb der bilanzierten Zonen und an deren Grenzen zu anderen Zonen berücksichtigt.

Es werden u.a. die Wärmequellen (z. B. Wärmeeinträge, Wärmegewinne) bzw. Wärmesenken (z. B. Kälteeinträge, Wärmeverluste) aus Transmission infolge von Wärmeleitung in den Bauteilen und Wärmeübergang an den Bauteilen der Begrenzungsflächen der Gebäudezone betrachtet. Dabei gilt
  1. für angrenzende konditionierte (d.h.beheizte oder gekühlte) Zonen:
    Wärmeströme von oder in angrenzende beheizte oder gekühlte Zonen sind nur dann zu berücksichtigen, wenn die Differenz zwischen den Raum-Solltemperaturen beider Zonen mehr als 4 K beträgt. (DIN V 18599-2:2011-12),
     
  2. für angrenzende unkonditionierte (d.h.unbeheizte oder ungekühlte) Zonen:
    Wärmeströme durch angrenzende unbeheizte oder ungekühlte Räume sind zu berechnen. (vgl. DIN V 18599-2:2011-12).
     
Fazit
Innenbauteile sind immer dann zwingend einzugeben, wenn eine Temperaturdifferenz zwischen den Raum-Solltemperaturen der angrenzenden Zonen von mehr als 4 Grad Kelvin besteht oder die konditionierte Zone an eine unkonditionierte Zone angrenzt.


Praxis:
Das kleine Wörtchen "zwingend" ist für Ihre betriebliche Praxis relevant. Sie können sehr wohl alle Innenbauteile in mühseliger Fleißarbeit ermitteln und in die Software eingeben - aber es macht Ihr Ergebnis im Fall a) nicht genauer, weil diese Bauteile bei der Bilanzierung unberücksichtigt bleiben! Aus betriebwirtschaftlicher Sicht ist dies nur vergeudete (Arbeits-) Zeit! Deshalb sollten Sie nach der Zonierung zunächst die relevanten Innenbauteile ermitteln.

Ein kurzer Blick auf die Nutzungsrandbedingungen (DIN V 18599-10:2011-12) offenbart den Charme dieser Regelung: die Raum-Solltemperatur beträgt für die Nutzungsrandbedingungen für alle Nutzungen 21 °C bzw. bei Nutzungen mit niedrigen Innentemperaturen 17 °C. Folglich können bei Verwendung der verbindlich vorgegebenen Randbedingungen Unterschiede in der Soll-Raumtemperatur von mehr als 4 Kelvin nicht vorkommen. Damit sind bei angrenzenden konditionierten Zonen mit (Standard-) Nutzungsrandbedingunen keine Innenbauteile anzusetzen!



Hinweis:
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